Die Häuser

Die Ben­der­stra­ße ist eine Haupt­ver­bin­dungs­stra­ße nach Düs­sel­dorf und ist mit Häu­sern der Grün­der­zeit bebaut. Lei­der sind Kriegs­schä­den und der Abriss­wahn der fünf­zi­ger Jah­re des letz­ten Jahr­hun­derts zu bekla­gen. Eini­ge Häu­ser tra­gen noch Ele­men­te des Jugend­stils.

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Nummer 8 — 10

1923 hat Dr. med. Paul Böll­hoff (*25.10.1891 +13.07.1952) die Vil­la auf der Ben­der­stra­ße 8 samt dazu­ge­hö­ri­ger Pra­xis von Sani­täts­rat Ries über­nom­men, der von 1906 bis 1923 die Arzt­pra­xis an sel­bi­ger Adres­se führ­te.

Dr. med. Böll­hoff hat die Pra­xis auf der Ben­der­stra­ße 8 bis 1952 geführt. Nach dem plötz­li­chen Tod von Dr. med. Böll­hoff über­nah­men sein Schwie­ger­sohn Dr. Theo Dicke und sei­ne ältes­te Toch­ter Dr. Anne­lie­se Dicke die Pra­xis, die bis 1968 in einem Anbau der Ben­der­stra­ße 8 wei­ter­ge­führt wur­de.

1969 hat die Fami­lie Dicke, die ältes­te Toch­ter Dr. Anne­lie­se Dicke und ihr Ehe­mann, Dr. Theo Dicke, auf eige­nem Grund die Ben­der 10 als Ärz­te­haus gebaut. Die Pra­xis Dr. Dicke fand in dem neu­ge­bau­ten Nach­bar­haus Ben­der­stra­ße 10 auf der 1. Eta­ge ihr neu­es Domi­zil. Das Grund­stück der Ben­der­stra­ße 10 war bis dato unbe­baut. Es befand sich dort der Gar­ten der Fami­lie Böll­hoff. In den Kind­heits­er­in­ne­run­gen der Enke­lin ein groß­ar­ti­ger ‚Kin­der­spiel­platz‘ mit alten Bäu­men.

Die nun aus­ge­dien­te Pra­xis auf der Ben­der­stra­ße 8 wur­de zu einem Ver­si­che­rungs­bü­ro umge­wid­met.

Die inzwi­schen in die Jah­re gekom­me­ne Vil­la Ben­der­stra­ße 8 wur­de 1982 abge­ris­sen, es ent­stand auf die­sem Grund­stück ein Miet- und Geschäfts­haus – heu­te die Deut­sche Bank.
Dr. Dicke führ­te die Pra­xis auf der Ben­der­stra­ße 10 noch bis 1985. Mit Dr. Ferl konn­te die Pati­en­ten­ver­sor­gung in der vier­ten Ärz­te­ge­nera­ti­on fort­ge­setzt wer­den. Die­ser führ­te die Haus­arzt­pra­xis über 30 Jah­re, bis Dr. Schre­der sie zum 1.1.2015 zunächst par­ti­ell und dann voll­stän­dig über­nom­men hat. Damit ist er der fünf­te Kol­le­ge in Fol­ge¹

¹Die Geschich­te der Ger­ri­cus-Pra­xis

Nummer 15

Frü­her Juwe­lier Wer­ner Reins­dorf, Ben­der­str. 15 in Düs­sel­dorf Ger­res­heim

Nummer 18

 

Nummer 19 

Nummer 21

Im Haus Ben­der­sta­ße 21 war um 1930 die Schuh­ma­che­rei und Fein­soh­le­rei Anton Sko­ra unter­ge­bracht. Heu­te befin­det sich dort eine Ände­rungs­schnei­de­rei. 

Nummer 28

Es begann alles im Jah­re 1896. Auf der Spee­stra­ße grün­de­tet Herr Völ­ker eine Gärt­ne­rei. Die Toch­ter des Grün­ders hei­ra­te­te Herrn Jan­ny der auch den Gärt­ner­be­ruf erlernt hat­te. Zusam­men eröff­ne­ten sie ein Blu­men­ge­schäft auf der Ben­der­stra­ße 28. Ab März 2019 hat eine frü­he­re Mit­ar­bei­te­rin das Geschäft über­nom­men und ver­kauft in den neu­ge­stal­te­ten Räu­men wei­ter­hin Blu­men.

Benderstraße / Regenbergastraße

Com­merz­bank

Der Bau auf die­sem Eck­grund­stück begann um das Jahr 1950. Es ent­stand dort ein Wohn- und Geschäfts­haus. Im Jah­re 1952 war das Gebäu­de fer­tig.

Bis 1972 befand sich in den unte­ren Räu­men das Möbel­haus Poor­ten. Ab 1973 zog die Dresd­ner Bank dort ein.

Im Okto­ber 2012 hat dann die Com­merz­bank die­se Räum­lich­kei­ten über­nom­men und befin­det sich heu­te noch dort.

 

Benderstraße / Regenbergastraße

Bäcker­haus Ben­der­stra­ße

Es war ver­mut­lich nicht nur das ältes­te Haus auf der Ben­der­stra­ße, son­dern auch das Wohn­haus des bekann­ten Dich­ters und Schrift­stel­lers Wil­helm Schä­fer. Er ver­brach­te bis 1888 sei­ne Jugend­jah­re in die­sem 1868 erbau­ten Wohn- und Geschäfts­haus. Sein Vater, Paul Schä­fer, grün­de­te dort eine Bäcke­rei und betrieb neben­bei auch noch  einen Kar­tof­fel­groß­han­del. In der Mehl­kam­mer hing ein Schild mit fol­gen­dem Text: 1870 back­ten wir das ers­te Brot, Rog­gen­mehl und Sauer­teig waren dazu not. Gro­ßer Fleiß und Gott­ver­trau­en, ließ uns das ers­te Haus auf der Ben­der­stra­ße bau­en.

Am 4. Mai 1954 über­nahm der Bäcker­meis­ter Alois Rodach das Geschäft mit der Back­stu­be. Die Ger­res­hei­mer konn­ten somit wei­ter­hin gute Back­wa­ren kau­fen. Nach 13 erfolg­rei­chen Jah­ren, wech­selt wie­der der Inha­ber.

Ab Janu­ar 1967 über­nahm der Bäcker­meis­ter Fritz Asche mit sei­ner Ehe­frau Ange­li­ka das Gewer­be, und setz­te so die Tra­di­ti­on des Hau­ses fort. Sei­ne Frau war im dabei eine gro­ße Hil­fe. Sie war die Toch­ter des Ehe­paa­res Man­del­artz, das wie­der­um eine bekann­te und belieb­te Bäcke­rei auf der Gräu­lin­ger­stra­ße betrieb. So wuchs Ange­li­ka Asche qua­si mit guten Back­wa­ren von Kind­heit an auf. Im Geschäft war sie für den Ver­kauf zustän­dig.

Im Jah­re 1973 ende­te die Bäcker­tra­di­ti­on in die­sem Hau­se. Auf Grund des Alters wur­de es 1975 abge­ris­sen und durch einen Neu­bau ersetzt. In ihm befin­det sich heu­te ein Rei­ni­gungs­be­trieb. 

Benderstraße / Dornaper Straße

Dro­ge­rie Hil­le­sheim / Behr

Die ältes­te und heu­te noch ein­zi­ge Fach­dro­ge­rie in Ger­res­heim, befin­det sich auf der Ben­der — Ecke Dor­naper Stra­ße.

Im Jah­re 1928 erbau­te der Dro­gist Anton Hil­le­sheim eines der ers­ten Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser an die­ser Stra­ßen­ecke. Mit sei­ner Ehe­frau Maria, geb. Rich­ter, grün­de­te er in die­sem Gebäu­de eine damals typi­sche Dro­ge­rie, in der sowohl Dro­gen (Kräu­ter­tees) als auch Foto­ar­ti­kel,  Kör­per­pfle­ge, Baby­nah­rung, Haus­halt und Putz­mit­tel sowie Far­ben und Lacke ange­bo­ten wur­den.

Den Krieg hat das Haus unbe­scha­det über­stan­den und wur­de im Lau­fe der Jah­re mehr­fach moder­ni­siert. Auch das nun­mehr seit 90 Jah­ren bestehen­de Fach­ge­schäft, hat sich sowohl in der Aus­stat­tung als auch im Waren­sor­ti­ment der heu­ti­gen Zeit ange­passt, und wird nun schon in der 3. Genera­ti­on vom Enkel des Grün­ders, Tors­ten Behr, immer noch mit Erfolg geführt. 

Nummer 37

His­to­rie des Hau­ses Ben­der­str. 37 in Düs­sel­dorf-Ger­res­heim ab 1914
Von Mein­hard und Edith Sucker

Die Erbau­er des Hau­ses Ben­der­str. 37:
Josef Düll­berg war Werk­zeug­schlos­ser bei Hani­el & Lueg. Heu­te ist hier­von nur noch der alte Back­stein-Uhren­turm als Tor­wär­ter­haus von 1875 auf der Gra­fen­ber­ger Allee vor­han­den. Durch ihn gelang­ten die Arbei­ter in das Werk. Hier­hin hat sei­ne Toch­ter Hil­de­gard ihrem Vater in einem Hen­kel­mann war­mes Essen gebracht.

Josef Düll­berg ist am 11.4.1878 in Grim­ling­hau­sen, Kreis Bri­lon, gebo­ren.

Im Mai 1947 wur­de er von einem Lkw über­fah­ren und starb mit 69 Jah­ren. Er hei­ra­te­te am 20.7.1909 in Nutt­lar, Kreis Bri­lon
Anna Maria Fischer, geb. am 15.4.1882 in Nutt­lar, gestor­ben am 16.12.1946, mit 64 Jah­ren an einem Herz­in­farkt.

Bevor sie in das neu gebau­te Haus auf der Ben­der­str. 37 zogen, wohn­ten sie auf der Ben­der­str. 115.

Josef und Anna Maria Düll­berg hat­ten drei Kin­der:
Josef (jun.) geb. 17.7.1910, gest. 2.2.2004 (93 Jah­re)
Elfrie­de  geb. 23.8.1912, gest. 10.4.1934 (21 Jah­re)
Hil­de­gard Sophia geb. 7.3.1916, gest. 20.4.2009 (93 Jah­re)

Sie wohn­te 93 Jah­re im Haus Ben­der­str. 37, in der­sel­ben Woh­nung, EG rechts und war mit Alfred Fürs­ten­ber­ger seit 4.12.1941 ver­hei­ra­tet. Alfred Fürs­ten­ber­ger stamm­te aus Baden-Würt­tem­berg, geb. 17.4.1907, gest. 7.10.2000 (93 Jah­re). Sie hat­ten zwei Kin­der, eine Toch­ter und einen  Sohn. Die Toch­ter, Edith Sucker, geb. Fürs­ten­ber­ger, geb. 16.6.1944, ist die jet­zi­ge ver­ant­wort­li­che Eigen­tü­me­rin des Hau­ses Ben­der­str. 37.

Das Mehr­fa­mi­li­en­wohn­haus Ben­der­str. 37 wur­de in mas­si­ver Zie­gel-
bau­wei­se errich­tet. Die Mau­er­stei­ne sind rot, gelb­lich bis rosa und stam­men aus der Ger­res­hei­mer Zie­ge­lei. Die roten Stei­ne, für die äuße­ren Wän­de, sind etwas fes­ter, die nach dem Bren­nen in dem Tun­ne­lofen aus­sor­tiert wur­den. Es sind kei­ne Klin­ker­stei­ne, mit einem dicht ver­schmol­ze­nen har­ten Gefü­ge, und kön­nen somit die Feuch­tig­keit auf­neh­men und wie­der abge­ben. Die gelb­li­chen und rosa Stei­ne sind noch etwas „wei­cher“ und haben weni­ger Hit­ze erhal­ten. Sie wur­den für die Innen­sei­ten und Mit­tel­wän­de ver­mau­ert und haben eine sehr gute kli­ma­re­gu­lie­ren­de Funk­ti­on der Wohn­räu­me.  Der Mör­tel für das Mau­er­werk und den Innen­putz (Düs­sel­dor­fer-Putz = abge­rie­be­ne Flä­che und mit Kalk­teig abge­glät­tet, damals rei­ne Hand­lan­ger-Arbeit) besteht aus Kalk­teig und Ger­res­hei­mer Sand. In vie­len Häu­sern meint der Laie „der Putz ist aber schlecht, der Putz ist zu mür­be, zu weich“. Das ist jedoch ein Miss­ver­ständ­nis, denn auch die­ser Putz ist ein sehr guter Raum­kli­ma-Regu­la­tor. Wenn aber der Mör­tel zu weich ist, liegt es dar­an, dass der Mör­te­lan­mi­scher zwar das Mischungs­ver­hält­nis 1 Teil Kalk­teig und 3 Tei­le Sand befolgt hat, aber der Sand zu vie­le und zu fei­ne Kör­nung hat und der Kalk­teig nicht alle Kör­ner genü­gend umman­teln kann.

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Die Decken ab dem EG sind aus Holz­bal­ken. Als Putz­trä­ger sind Spa­lier­lat­ten von unten ange­bracht und zwi­schen den Bal­ken ist eine kör­ni­ge Asche-Schüt­tung auf Blind­scha­lung mit einem Nut- und Feder-Die­len­be­lag.

Leich­te Trenn­wän­de für WC und Vor­rats­käm­mer­chen sind aus 6 cm dicken Bims­plat­ten, die auf der Bal­ken­de­cke ste­hen.

Die Kel­ler­au­ßen­wän­de sind aus etwas fes­te­rem Zie­gel­mau­er­werk, was zum Erd­reich hin roh belas­sen wor­den ist, es hat aber ober­halb des Erd­reichs eine waa­ge­rech­te bitu­mi­nö­se Iso­lier­pap­pe als auf­stei­gen­de Feuch­tig­keits­sper­re.

Es war damals so gewollt, dass die Vor­rä­te, z.B. Kar­tof­feln, Möh­ren, Obst usw. kühl, durch Feuch­tig­keit und nicht zu tro­cke­ne Luft, lan­ge lager­fä­hig waren.

Die Decke über dem Kel­ler­ge­schoss besteht aus Stahl­trä­gern mit einer mage­ren Beton-Zwi­schen­fül­lung ohne Bau­stahl­ein­la­ge, dar­über Aschen-Fül­lung und da drauf Kant­höl­zer für die Auf­nah­me des Die­len­bo­dens.
Die gesam­te Bau­wei­se ist öko­lo­gisch kaum zu über­bie­ten. Die heu­ti­gen Bau­stof­fe z.B. Gips (kommt aus Schad­stoff-Fil­ter­an­la­gen) oder Lehm­putz (der mit Zuga­be von Klär­schlamm ver­wen­det wird und nach dem Durch­trock­nen angeb­lich nicht mehr stinkt) und auch Stahl­be­ton sind für das mensch­li­che Woh­nen unwür­dig und erzeu­gen phy­si­ka­li­sche Fal­len, die die Pla­ner nicht immer im Griff haben, z.B. dich­te Fens­ter und dann Zwangs­lüf­tung.
Bis etwa 1975 gab es noch in vie­len Wohn­häu­sern Fens­ter mit einer genia­len phy­si­ka­li­schen Funk­ti­on, die bis jetzt auch noch im Trep­pen­haus der Ben­der­str. 37 vor­han­den ist. Das Sys­tem ist fol­gen­der­ma­ßen: Die rela­tiv hohe Luft­feuch­tig­keit eines Rau­mes, egal aus wel­chen Grün­den, kühlt sich zuerst an den kal­ten Fens­ter­schei­ben ab. Das Was­ser kon­den­siert und fließt an den Schei­ben her­un­ter in eine dafür vor­ge­se­he­ne Rin­ne auf der Fens­ter­bank, und ein meist klei­nes Blei­röhr­chen lei­tet das Was­ser aus der Rin­ne nach drau­ßen ab.

Die ers­te Dach­ein­de­ckung vor ca. 100 Jah­ren bestand aus hand­ge­form­ten Hohl­pfan­nen-Ton­zie­geln (ohne Falz) mit Stroh­do­cken, damit bei von der Sei­te kom­men­dem Regen oder auch bei Schnee­trei­ben kei­ne Feuch­tig­keit in den Tro­cken­spei­cher kam.
Der ers­te Aus­tausch der Dach­zie­gel war viel­leicht um 1950. Dies­mal wur­de ein dun­kel ein­ge­färb­ter Stan­dard-Ton-Falz­zie­gel ein­ge­baut, der mit Draht­klam­mern im frei­en Raum gesi­chert und zusätz­lich rings­um von unten mit fes­tem Mör­tel ver­stri­chen wur­de.
Bei der gro­ßen Dach­re­no­vie­rung 2011 wur­den Hei­del­ber­ger Dach­stei­ne ver­wen­det.

Natür­lich hat die­ses Gebäu­de immer wie­der eini­ge zeit­ge­mä­ße Reno­vie­run­gen über sich erge­hen las­sen müs­sen (z.B. neue Bal­kons oder die Bade­zim­mer von 1961 sind kom­plett auf den neu­es­ten Stand gebracht wor­den).

Es ist aber immer dar­auf geach­tet wor­den, dass das Haus sei­ne Iden­ti­tät behält und so sei­ne Erbau­er gewür­digt wer­den.

Im Dach­ge­schoss lie­gen noch alte Dach­zie­gel als Doku­men­te.
Fast alle Woh­nungs­ein­gangs­tü­ren und Zim­mer­tü­ren sind noch im Ori­gi­nal erhal­ten. Im 1. Ober­ge­schoss links gibt es noch Ori­gi­nal-Tür­grif­fe mit Hol­zum­man­te­lung (über 100 Jah­re alt).

Das Trep­pen­haus ist unver­än­dert und hat noch sei­ne alten bun­ten Jugend­stil-Fens­ter mit Blei­ver­gla­sung und Beschlä­gen. Die Struk­tur-
Tape­te an den Sei­ten­wän­den ist auch noch im Ori­gi­nal und wur­de nach dem Krieg von dem Ger­res­hei­mer Maler­meis­ter Hel­mut Less­mann an eini­gen Stel­len kunst­voll repa­riert.

2010 wur­de die alte mecha­ni­sche Trep­pen­haus-Licht­schalt­uhr Elpa von 1930 der Fir­ma The­ben nach 80 Jah­ren aus­ge­tauscht.

In eini­gen Woh­nun­gen sind heu­te noch in den Wohn­zim­mer-Decken Metall­roh­re mit Ver­schluss­kap­pen, die ursprüng­lich für eine Gas­lam­pen-Beleuch­tung waren. Neben den Ein­gangs­tü­ren der Woh­nun­gen im Flur ist auf hal­ber Höhe ein Mes­sing-Vier­kant sicht­bar. Frau Fürs­ten­ber­ger, die Toch­ter des Erbau­ers, erzähl­te, dass hier abends immer die Gas­lei­tung geschlos­sen wur­de.

Im Kel­ler gibt es noch eine alte Holz­bret­ter­tü­re mit einem Kas­ten­schloss.
Auf die­ser Türe steht: LUFTSCHUTZRAUM 29 cbm Inhalt

An der Außen­fas­sa­de, in einem obe­ren Feld, sind am 26.10.2011 mit einer Foto-Visi­on des Ehe­paa­res Düll­berg, die Erbau­er des Hau­ses gewür­digt wor­den. Die­se Nano Quarz-Git­ter-Tech­no­lo­gie ist in Düs­sel­dorf bis jetzt ein­ma­lig.

Einer der ers­ten Mie­ter des Hau­ses im Febru­ar 1914 war die Fami­lie Frei­burg. 3‑Zim­mer-Woh­nung im 1. OG links, ca. 54 qm .
In der Küche, ca. 15,50 qm, war ein recht­ecki­ges Aus­guss-Becken mit Was­ser­an­schluss. Das Wohn­zim­mer, ca. 15,50 qm, zur Stra­ße, hat eine pro­fi­lier­te Stuck­de­cke. Das Schlaf­zim­mer ist zur ruhi­gen Gar­ten­sei­te, ca. 16 qm. Das dama­li­ge Vor­rats­käm­mer­chen ist etwa über 2 qm groß.
Das ehe­ma­li­ge Was­ser­klo­sett hat­te einen hoch­ge­häng­ten Spül­kas­ten und eine Ket­te mit einem Por­zel­l­an­griff zum Abzie­hen und befand sich in einem ca. 1,50 qm klei­nen Raum ohne Wasch­be­cken.
Die Mie­te betrug:
Febru­ar 1914: 32 Mark u. 50 Pfg.
Juli 1921: 48 Mark
Okto­ber 1922: 91 Mark
Nov. 1922: 194 Mark
Dez. 1922: 491 Mark
Jan. 1923: 1.364 Mark
April 1923: 4.475 Mark

Die Mie­te einer ande­ren Woh­nung (Wald­mül­ler), gleich groß, betrug:
August 1923: 50.570 Mark
Dez. 1923: 16.222 Mil­li­ar­den Mark
Janu­ar 1924: 5.113 Bil­lio­nen Mark
Febru­ar 1924: 9,15 Mark
Janu­ar 1925: 22,57 Mark
Janu­ar 1926: 28,22 Mark

Im Okto­ber 1961 wur­den im Haus das Vor­rats­käm­mer­chen und der klei­ne Toi­let­ten­raum zu einem Bade­zim­mer mit klei­ner Bade­wan­ne, WC und Hand­wasch­be­cken umge­baut und die Wän­de zum Teil gefliest.

Bei den Flie­sen­ar­bei­ten lern­te ich (Mein­hard Sucker) die Toch­ter (Edith, 17 Jah­re alt) der Mit-Haus­ei­gen­tü­me­rin Hil­de­gard Fürs­ten­ber­ger ken­nen. Sie brach­te Ziga­ret­ten, aber kein Feu­er. So muss­te sie noch ein­mal kom­men und das Feu­er brin­gen.
Und jetzt bin ich mit ihr schon fast 51 Jah­re ver­hei­ra­tet!

Mein­hard und Edith Sucker

Nummer 38 

Fünf­ge­schos­si­ges Wohn- und Geschäfts­haus, errich­tet 1984. Archi­tekt: Gui­do Beren­des.

Die Geschäfts­räu­me im Erd­ge­schoss wur­den bis 2012 von der Dro­ge­rie­ket­te Schle­cker genutzt. Auf sie folg­te die Tex­til­fir­ma NKD. Seit 2017 betreibt hier die Dia­ko­nie ein Kauf­haus für Tex­ti­li­en und Haus­halts­ge­gen­stän­de. Im ers­ten Stock befin­det sich eine Zahn­arzt­pra­xis. Im zwei­ten Stock war bis 1995 eine Zweig­stel­le der Bar­mer Ersatz­kas­se unter­ge­bracht.

Bis 1983 stand an die­ser Stel­le ein roter Zie­gel­bau, in dem der belieb­te Ger­res­hei­mer HNO-Arzt Dr. Kür­ten vie­le Jah­re prak­ti­zier­te.

Nummer 45

Das Haus Ben­der­stra­ße 45 ent­stand etwa zwi­schen 1912 bis 1914.Der Maler­meis­ter Paul Less­mann eröff­ne­te dort um die­se Zeit sein Maler­un­ter­neh­men mit einer Werk­statt. Als Paul Less­mann 1952 starb, über­nahm der Sohn Hel­mut Less­mann 1972 das Geschäft sei­nes Vaters. Hel­mut Less­mann hat­te eben­so eine Aus­bil­dung zum Maler­meis­ter absol­viert, sich aber noch an der Kunst­schu­le wei­ter­ge­bil­det. Sei­ne Kunst war gefragt für Wand­bil­der im öffent­li­chen Raum, in denen er u.a. NRW dar­stell­te.

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Ben­der­stra­ße 45 Erin­ne­run­gen von Regi­na Grell-Less­mann *1944, auf­ge­wach­sen auf der Ben­der­stra­ße in den 1940er Jah­ren

Das Haus Ben­der­stra­ße 45 ent­stand etwa zwi­schen 1912 – 1914. Mein Groß­va­ter Paul Less­mann eröff­ne­te um die­se Zeit sein Maler­un­ter­neh­men. In die­ser Zeit war die Ben­der­stra­ße noch die ein­zi­ge durch­ge­hen­de Stra­ße in Ger­res­heim, die nach Gra­fen­berg (bezie­hungs­wei­se auf der Hardt) führ­te. Par­al­lel zur Ben­der­stra­ße gab es über­all Äcker, zum Teil sogar Sumpf­ge­bie­te.

Im Haus mei­nes Groß­va­ters wur­den schon Bäder mit WC’s und eine Gas­lei­tung zum Wär­men des Was­sers ein­ge­baut. Sehr bemer­kens­wert, da Was­ser und Strom in Ger­res­heim ziem­lich spät instal­liert wur­den.

Kurz nach dem 2. Welt­krieg (vor der Wäh­rungs­re­form) gab es eini­ge Trüm­mer­grund­stü­cke, aber ziem­lich weni­ge. Milch und eini­ge Lebens­mit­tel wur­den in einem impro­vi­sier­ten Bau (Fir­ma Sur­mey­er) ver­kauft. Milch wur­de in mit­ge­brach­ten Kann abge­füllt.

Ein Pfer­de­wa­gen mit Eis­stan­gen kam regel­mä­ßig und man konn­te dort für ein paar Pfen­ni­ge Küh­lung für die Spei­se­kam­mer kau­fen. Wir Kin­der beka­men manch­mal klei­ne Eis­stück­chen ab. Die ‚Hin­ter­las­sen­schaf­ten‘ der Pfer­de wur­den ziem­lich rasch von Hob­by­gärt­nern ent­sorgt.

Als beängs­ti­gend emp­fand ich als Kind die nächt­li­chen Grö­le­rei­en der eng­li­schen Besat­zer, die des Öfte­ren durch die Ben­der­stra­ße tor­kel­ten.

Unser Spiel­platz war die Ben­der­stra­ße. Wenn wir in die Vor­gär­ten kamen, muss­ten wir mit wüten­den Nach­barn rech­nen, die auch manch­mal hef­ti­ge Ohr­fei­gen ver­teil­ten!

Damals, in Erman­ge­lung von TV, hin­gen vie­le Leu­te in den Fens­tern, oft gemüt­lich unter­füt­tert von Kis­sen und beob­ach­te­ten das Gesche­hen.

Es gab auch in dem Gebäu­de des heu­ti­gen Rewe ein Kino, eben­so auf der Hardt. Sonn­tags vor­mit­tags lie­fen Kin­der­fil­me, die wir mit Begeis­te­rung sahen.

In den fünf­zi­ger- und sech­zi­ger Jah­ren begann sich dann das Leben so zu gestal­ten, dass man, rein optisch, bis heu­te nicht mehr so vie­le Ver­än­de­run­gen wahr­neh­men konn­te.

Nummer 49

Anfang des 20. Jahr­hun­derts war auf der Ben­der­stra­ße eine rege Bautätigkeit. Vie­le, der heu­te noch zum Teil gut erhal­te­nen Häuser, wur­den in die­ser Zeit erbaut, so auch das Haus Ben­der­stra­ße 49 im Jah­re 1909.

In ihm wohn­te meh­re­re Jah­re unter ande­ren das Ehe­paar Mar­ga­re­the und Hein­rich Bisch­off.

Der Schul­leh­rer Hein­rich Bisch­off war zuvor in Gro­nau behei­ma­tet. Er bekam dort Besuch vom Bürgermeister der Stadt Ger­res­heim und einem Geist­li­chen. Sie besuch­ten sei­nen Unter­richt und hiel­ten ihn für wert, in Ger­res­heim unter­rich­ten zu können.

Hein­rich Bisch­off wur­de Leh­rer an der Schu­le an der Heye­stra­ße unter dem Rek­tor Kneist. Später wur­de er Reklor an der Son­der­schu­le für Lern­be­hin­der­te, Schönaustraße.
Ihm folg­te Frau Kuh­len­berg, dann sein Sohn Hel­mut Bisch­off als Rek­tor.

Das vor eini­gen Jah­ren neu restau­rier­te Haus, mit einer im Frühjahr blühenden Magno­lie im Vor­gar­ten, ist heu­te ein Schmuckstück auf der Ben­der­stra­ße.

Nummer 56

 

Nummer 57

 

Nummer 59

 

Nummer 61

 

Nummer 66

 

Nummer 70

Ger­ma­nia Palast, heu­ti­ges REWE

Fräu­lein“ Eli­sa­beth Huth ver­kauf­te in den 1960er Jah­ren im „Ger­ma­nia Licht­spiel­haus die Kino­kar­ten. Lan­ge Zeit unver­hei­ra­tet, wid­me­te sie sich hin­ge­bungs­voll der Pfle­ge ihrer schon sehr betag­ten, kran­ken Mut­ter. Ein Licht­blick für sie war es, ihrer Arbeit im Kino nach­zu­ge­hen. Stolz saß sie immer hin­ter dem Schal­ter und ver­kauf­te jedem freund­lich die gewünsch­te Ein­tritts­kar­te.
Auch ihrem Chef, Herrn Lam­pen­scherf, dem Besit­zer des Kinos, warf sie oft ein ver­stoh­le­nes Lächeln zu.

Und wenn man sie frag­te, was sie denn beruf­lich mache, sag­te sie:

Ich bin beim Film!

PS. Als ihre Mut­ter ver­starb, wur­de sie „Frau Lam­pen­scherf“

Nummer 71
Brillen Müller

 

Nummer 72

Nummer 73

Der pro­vi­so­ri­sche Obst- und Gemü­se­la­den an der Ecke Ben­der-/Grä­f­ra­ther Stra­ße wur­de durch einen Neu­bau ersetzt, in dem sich zunächst ein Möbel­haus befand und danach bis heu­te ein Schuh­ge­schäft ansäs­sig ist.

Nummer 75

Frü­her unter ande­rem Bio­la­den Klee­blatt Inh. Ralf Faber

Nummer 78

Zürn­dor­fer Schu­le, vor­mals evan­ge­li­sche Schu­le

Epi­so­de aus ihrer Schul­zeit
Obwohl Han­na nur 5 Min. von der Schu­le ent­fernt wohn­te, hat­te sie Mühe, recht­zei­tig dort zu sein. Rech­nen war ihre schwa­che Sei­te. Ihr Vater ver­such­te ihr zu hel­fen, gab aber bald auf, weil Han­na unfä­hig war, das Rech­nen zu begrei­fen. Sie bekam sogar eine Ohr­fei­ge von Fräu­lein Räth­jen als sie in ihrer Ver­zweif­lung ver­such­te, fal­sche Ergeb­nis­se in ihrer Klas­sen­ar­beit zu kor­ri­gie­ren. Es wur­den mit Grif­feln auf Schie­fer­ta­feln geschrie­ben. Die Grif­fel, die in einer Grif­fel­do­se gesam­melt wur­den, spitz­te immer ihr Vater an. Dazu gehör­ten zwei gehä­kel­te Tafel­läpp­chen und ein rosa Schwämm­chen, um die Tafel zu rei­ni­gen. Die sau­be­ren Mate­ria­li­en wur­den täg­lich von der Leh­re­rin kon­trol­liert.

Nummer 79

Nummer 84

Drei­ge­schos­si­ges Rei­hen­mit­tel­haus mit Gewer­be­ein­heit von 1896

 

Nummer 86

 

Nummer 90

 

Nummer 94

Frü­her Schreib­wa­ren Wil­li Mül­ler

Nummer 98 von 1893

Ver­mut­lich das ältes­te exis­tie­ren­de Haus auf der Ben­der­stra­ße.

Wer kennt ein noch älte­res Haus?

Nummer 106

Phö­nix Apo­the­ke Inha­be­rin der Apo­the­ke 1974 bis 2011 U. Prae­to­ri­us.
Auf einem der Fotos ist die alte Phö­nix Apo­the­ke rechts im Bild zu erken­nen.
Dort, auf der Nord­sei­te der Ben­der­stra­ße, hat­te die Phö­nix Apo­the­ke
bis 1974 ihren Stand­ort. Heu­te (2019) ist dort ein Pfle­ge­dienst in den Geschäfts­räu­men unter­ge­bracht.

Nummer 109

 

Nummer 112

 

Nummer 113

 

Nummer 120

 

Nummer 124 — 130

Zwei- bis drei­ge­schos­si­ges Wohn­ge­bäu­de, errich­tet 1904 für vier Beam­te der Pro­vin­zi­al Heil- und Pfle­ge­an­stalt Gra­fen­berg, Archi­tekt war Wil­helm Pau­en. Die sog. „Beam­ten­häu­ser“ zei­gen die sozia­le Ver­ant­wor­tung der Anstalt für ihre Beam­ten und Ange­stell­ten. Die Hier­ar­chie unter den Arbeit­neh­mern wird durch die anspre­chen­de­re Gestal­tung der Objek­te zum Aus­druck gebracht.

 

Nummer 134 — Parktheater

 

Streifzug durch ein Jahrhundert

Ben­der­stra­ße, Auf der Hardt

Von Ger­da Wich­arz

Der Bäcker- und Kon­di­tor­meis­ter Ema­nu­el Wahl betrieb in der Nähe der „alten Ton­hal­le“ (dem heu­ti­gen Kauf­haus Kar­stadt) in Düs­sel­dorf an der Scha­dow­stra­ße eine Bäcke­rei. Als er die Bäcker­krank­heit bekam, muss­te er sei­nen Beruf auf­ge­ben und zog mit sei­ner Fami­lie zur Hardt/Ludenberg. Damals hieß die Ben­der­stra­ße noch Neu­ßer­stra­ße. Sie war damals mehr ein Weg als eine Stra­ße. Es gab nur ein paar klei­ne Häu­ser an der Neu­ßer­stra­ße. Wer mit dem Pfer­de­fuhr­werk von Düs­sel­dorf nach Luden­berg fah­ren woll­te, hat­te wegen der stark anstei­gen­den Stra­ße einen beschwer­li­chen Weg hin­ter sich gebracht. So mach­ten sie ger­ne Rast auf der Hardt und kehr­ten in der Gast­stät­te von Ema­nu­el Wahl ein.

Die Gast­stät­te ist in den 1870er Jah­ren gebaut wor­den; genaue Unter­la­gen feh­len jedoch. Es gab noch Gas­licht und im Trep­pen­haus Petro­le­um­lam­pen. An der Stra­ßen­front ist der ursprüng­li­che Bau­stil der Gast­stät­te noch erhal­ten. An die Gast­stät­te ließ Ema­nu­el Wahl einen klei­nen Saal anbau­en, der 1902 zu einem Wohn­haus umge­baut wur­de. Dort waren das Bür­ger­meis­ter­amt Luden­berg sowie die Poli­zei­wa­che unter­ge­bracht. Auf dem Hof gab es zwei Gefäng­nis­zel­len, die vor allem im Win­ter wegen der guten Ver­kös­ti­gung immer besetzt waren.

Luden­berg wur­de 1909 nach Düs­sel­dorf ein­ge­mein­det.

Nach­dem 1902 die gro­ße Industrie‑, Gewer­be- und Kunst­aus­stel­lung ihre Pfor­ten geschlos­sen hat­te, kauf­te Ema­nu­el Wahl eine Aus­stel­lungs­hal­le und ließ sie in der Park­an­la­ge sei­nes Grund­stü­ckes als Tanz­saal wie­der auf­bau­en. Ihm gab er den Namen „Loui­sen­saal“ nach dem Namen sei­ner Frau Loui­se. Unter den Bäu­men der Gar­ten­an­la­ge ent­wi­ckel­te sich eine Gar­ten­wirt­schaft.

Der Loui­sen­saal wur­de bald zum schöns­ten und größ­ten Lokal in der Umge­bung. Hier wur­de jeden Sonn­tag zum Tanz auf­ge­spielt, und die Gäs­te kamen von Nah und Fern. Im Som­mer war die Gar­ten­wirt­schaft mit ihren Plät­zen unter den Bäu­men zusätz­lich ein sehr belieb­tes Aus­flugs­ziel.

1921, als die Reichs­re­gie­rung die ihr auf­er­leg­te Kriegs­ent­schä­di­gung nicht zu zah­len ver­moch­te, besetz­ten fran­zö­si­sche Trup­pen Düs­sel­dorf. Zu die­ser Zeit (1922/23) war ein Teil der fran­zö­si­schen Besat­zer im Loui­sen­saal unter­ge­bracht.

Vor der Macht­über­nah­me durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten gab es wie­der Fes­te im Loui­sen­saal: Turn­fes­te, Hei­mat­aben­de, Sän­ger­fes­te usw.

Dann kam der 2. Welt­krieg.

In die­ser Zeit dien­te der Saal zunächst als Lager für die Städ­ti­schen Büh­nen. Da aber die Brand­ge­fahr zu groß war, muss­ten die Kulis­sen wie­der aus­ge­la­gert wer­den, da im Kel­ler des Saa­les zum Schut­ze der Bevöl­ke­rung Luft­schutz­räu­me ein­ge­rich­tet wer­den soll­ten.

1944 wur­de im Loui­sen­saal ein Laza­rett mit zir­ka 200 Feld­bet­ten ein­ge­rich­tet. Zur Behei­zung des Saa­les wur­den wegen der defek­ten Hei­zungs­an­la­ge Kano­nen­öfen auf­ge­stellt.

1944/45 hat­ten wir einen sehr kal­ten Win­ter. Düs­sel­dorf hat­te stark unter den Luft­an­grif­fen gelit­ten; über die Hälf­te der Stadt lag in Schutt und Asche.

1945 lagen wir noch etwa sie­ben Wochen unter Artil­le­rie­be­schuss. Wir schlie­fen nur noch im Luft­schutz­bun­ker des Loui­sen­saals. Dann end­lich, im Mai 1945, war der Krieg vor­bei. Die Dächer waren zer­stört, vor den Fens­tern hat­ten wir nur noch Pap­pe oder Holz. Im Geschäft war nichts mehr zu ver­kau­fen. Aber irgend­wie ging es wei­ter.

1946 lern­te ich mei­nen Mann, Wil­li Wich­arz, ken­nen, und 1947 haben wir gehei­ra­tet.

Unser Haus war zu die­ser Zeit mit meh­re­ren Fami­li­en über­be­legt, so dass wir uns im eige­nen Haus ein Zim­mer erkämp­fen muss­ten.

Nach Kriegs­en­de 1945 waren in Düs­sel­dorf die Rhein­brü­cken gesprengt. Zur Ver­bin­dung der bei­den Sei­ten des Rheins bau­ten die Eng­län­der eine Pon­ton­brü­cke. Das Brü­cken­kom­man­do hat­te sich im Loui­sen­saal ein­quar­tiert, da es dort auch Platz für die Ersatz­tei­le gab.

1946 wur­de der Saal zu einem Kino umge­baut und erhielt den Namen „Park­thea­ter“. Es war ein gern besuch­tes Kino, wur­de aber gele­gent­lich auch als Thea­ter von den Städ­ti­schen Büh­nen genutzt.

Vor der Wäh­rungs­re­form waren vie­le Schau­spie­ler und Künst­ler auf Tour­nee. Hier eine klei­ne Aus­wahl: Hans Mül­ler-Schlös­sel, Wil­li Mil­lo­witsch mit sei­nem Ensem­ble, Peter Fran­ken­feld und Lon­ny Kell­ner, Lucie eng­lisch, Heinz Ehr­hardt, Kris­ti­na Söder­baum, Will Glahé, Jupp Schmitz, der Meis­ter­gei­ger Geor­ges Bou­lan­ger und vie­le ande­re.

1965 wur­de der Saal erneut umge­baut und dien­te seit­dem bis 1998 unter Bei­be­hal­tung der äuße­ren Form als Büro­haus und Lager­hal­le.

Mei­ne Toch­ter, Inge­borg Heu­blein, geb. Wich­arz, hat den Loui­sen­saal unter Bei­be­hal­tung der äuße­ren Form am dem Jahr 2000 zu einem Wohn­haus mit 31 Wohn­ein­hei­ten und einer zuge­hö­ri­gen Tief­ga­ra­ge aus­bau­en las­sen.

Wegen der geschlos­se­nen Bau­wei­se an der Ben­der­stra­ße muss­te dort auch noch ein Mehr­fa­mi­li­en­haus errich­tet wer­den. Sie selbst wohnt mit ihrer Fami­lie im hin­te­ren Bereich der Lie­gen­schaft. 1972 wur­de der Neu­bau, Ben­der­stra­ße 134, ein Mehr­fa­mi­li­en­haus mit 13 Wohn­ein­hei­ten, bezo­gen.

1980, nach vie­len Um- und Aus­bau­ten des Hau­ses Ben­der­stra­ße 136, haben wir die Gast­stät­te ver­pach­tet und haben eine Woh­nung im Hau­se Ben­der­stra­ße 134 bezo­gen. Heu­te wird in der Gast­stät­te seit 21 Jah­ren ein „Ita­lie­ni­sches Restau­rant“ von den Gebrü­dern Lero­se geführt.

Ein seltener Gast

Erleb­nis der Zeit­zeu­gin Ger­da Wich­arz, damals sie­ben Jah­re alt

Im Jah­re 1930 hat­ten wir einen war­men Som­mer. Die Gast­stät­te auf der Ben­der­stra­ße, das Geschäft mei­ner Eltern, war durch­ge­hend geöff­net, eben­falls die Gar­ten­wirt­schaft.

So um die Mit­tags­zeit schau­te mein Vater hin­aus auf den Hof. Er muss­te zwei­mal hin­schau­en und trau­te sei­nen Augen kaum. Da saß doch tat­säch­lich ein Mann mit­ten in der Gar­ten­wirt­schaft und neben ihm ein gro­ßer brau­ner Tanz­bär. „Bit­te ein gro­ßes Bier“, sag­te der Gast. „Kommt sofort“, ant­wor­te­te mein Vater, „aber bin­den Sie den gro­ßen Bären bit­te an dem dicken Lin­den­baum fest.“ Der stand näm­lich weit genug weg. Das Bier wur­de gebracht und dabei sag­te der Bären­füh­rer, er suche eine Über­nach­tungs­mög­lich­keit, ob das bei uns mög­lich wäre?

Rück­fra­ge mei­nes Vaters: “ Wie bit­te, mit dem Bären?“

Ja“, ant­wor­te­te der Bären­füh­rer, „tags­über bin ich in Düs­sel­dorf unter­wegs und las­se den Bären tan­zen. Aber für die Nacht brau­che ich eine Schlaf­stel­le für mich und den Bären.“

Wir hat­ten damals neben dem Geschäft noch eine Mehr­zweck­hal­le. „In die­ser Hal­le kön­nen Sie von mir aus mit dem Bären schla­fen“, sag­te mein Vater.

Der Bären­füh­rer blieb meh­re­re Tage in Düs­sel­dorf, kam abends zurück, nahm sei­nen Schlaf­trunk zu sich, ver­sorg­te den Bären und leg­te sich mit ihm in einem Vor­raum des Saa­les schla­fen.

Ein­mal haben wir Kin­der durch ein Fens­ter gelau­ert und gese­hen, dass der Bär dem Mann als Kopf­kis­sen dien­te.

An einem der Tage kam der Mann frü­her aus der Stadt zurück, band den Bären an einem Baum fest und ging in die Gast­stät­te, ließ aber die Tür zum Hof offen ste­hen. Da wir einen gro­ßen Hof und dort unse­re Spiel­ecke hat­ten, kamen häu­fig Kin­der aus der Nach­bar­schaft zu uns zum Spie­len.

Aus respekt­vol­ler Ent­fer­nung betrach­te­ten wir den Bären. Irgend­wann kam ein Kind auf die Idee, den Bären ein­mal tan­zen zu las­sen. Wir hiel­ten das für eine gute Idee, zumal der Bär einen Maul­korb trug. Ein Kind for­der­te die ande­ren auf: „Lasst uns aus der Küche Topf­de­ckel und Holz­löf­fel holen!“ Dann stell­ten wir uns im Halb­kreis um den Bären auf, trom­mel­ten und mach­ten einen Höl­len­lärm. Der aber war nicht aus der Ruhe zu brin­gen, er woll­te ein­fach nicht tan­zen.

Irgend­wie haben wir uns bei die­ser Akti­on näher an den Bären her­an­be­wegt. Aus­ge­rech­net jetzt stol­per­te ein Mäd­chen und fiel zu Boden. Blitz­ar­tig sprang der Bär hoch, hol­te mit der Tat­ze aus und zog das Mäd­chen zu sich her­an. Durch unser Angst­ge­schrei auf­ge­schreckt stürm­te der Bären­füh­rer aus der Gast­stät­te und brüll­te sei­ne Kom­man­dos. Gott sei Dank ließ der Bär unmit­tel­bar von sei­nem Opfer ab. So nahm alles noch ein­mal ein gutes Ende.

Als Andenken hat das Mäd­chen aller­dings am Fuß eine Nar­be zurück­be­hal­ten.

Ohne die Auf­zeich­nung die­ser Epi­so­de wäre das Erleb­nis der Nach­welt nicht erhal­ten geblie­ben.

Ger­da Wich­arz ist inzwi­schen lei­der mit 95 Jah­ren im April 2018 in ihrer Woh­nung neben dem Eltern­haus ver­stor­ben.

Nummer 143

Nummer 145

Nummer 158

Zwei­ge­schos­si­ges Wohn­ge­bäu­de mit Fach­werk- und Jugend­stil­ele­men­ten, errich­tet 1903. Die rech­te Fas­sa­den­hälf­te wird von einem „Zwerch­haus“ (Dach­auf­bau) geprägt und über­ragt.

Nummer 160

Zwei­ge­schos­si­ges Wohn­ge­bäu­de mit Jugend­stil­ele­men­ten, errich­tet 1904. Bal­kon und Erker wer­den von einem wuch­ti­gen „Zwerch­haus“ (Dach­auf­bau) über­ragt.

Nummer 162

Drei­ge­schos­si­ges Wohn­ge­bäu­de mit Jugend­stil- und Neo­ba­ro­ck­ele­men­ten, errich­tet 1905. „Zwerch­haus“ (Dach­auf­bau) mit rund­bö­gi­gen Fens­ter­öff­nun­gen über einem von star­ken Kon­so­len gestütz­ten Erker.

Nummer 164

Zwei­ge­schos­si­ges Wohn­ge­bäu­de mit Jugend­stil- und Fach­werk­ele­men­ten, errich­tet 1905. Hal­bo­va­ler Erker an der lin­ken Fas­sa­den­hälf­te, gekrönt von einem „Zwerch­haus“ (Dach­auf­bau) mit vier schma­len Fens­tern.

Nummer 166

Drei­ge­schos­si­ges Wohn­ge­bäu­de mit Jugend­stil- und Fach­werk­ele­men­ten, errich­tet 1906. „Zwerch­haus“ (Dach­auf­bau) mit flach­bo­gi­gem Gie­bel.

Nummer 168

Zwei­ge­schos­si­ges Wohn­ge­bäu­de mit Jugend­stil­ele­men­ten, errich­tet 1906. Drei­sei­ti­ger Erker, dar­über ein „Zwerch­haus“ (Dach­auf­bau) mit spitz­bo­gi­gem Gie­bel und einem Bal­kon mit Balus­tra­de.